Mit dem voranschreitenden Zerfall der Regattaanlage im Münchner Norden, fängt die Natur immer mehr an sich das Areal zurückzuerobern. Die Struktur der Tribüne – dem Hauptmerkmal der Anlage – zerfällt zusehends. Gleichzeitig ist die Tribüne in ihrer Dimensionierung und Nutzungsauslegung für heutige Sportveranstaltungen nicht mehr zeitgemäß.
Die Atmosphäre des Ortes ist geprägt von Gegensätzen:
dem Spiel aus Licht und Schatten, die bauliche und natürliche Struktur, die Ruhe des Waldes und die kräftezehrenden Ruderschläge auf dem Wasser.
Diesem Kontext aus Sport, Natur und Struktur nimmt sich der neue Entwurf für die Tribüne an.
Der Vereinigung aus Struktur und Natur folgt die Idee eines Botanikums, in dessen sich die bereits stattfindende Aneignung durch die Vegetation fortsetzten kann.
Zugleich wird das Thema der Botanik um die Komponente Mensch – im Sinne der Ethnobotanik – erweitert und an den Sport gekoppelt. Die Behandlung und Therapierung von leistungsbedingtem Stress und Depression auf Basis von Phytopharmaka wird erforscht und kultiviert.
Basis bildet die repetitive Eigenschaft der Struktur. Sie wird wie die leeren Notenzeilen einer Partitur gelesen, in der die technischen Elemente (Leitungen, Plattformen, Installationen, Strukturen) hinzugefügt werden und diese bespielen – unterbrochen von den organischen Strukturen der Pflanzen. Aufgeteilt wird die Struktur dabei in drei Zonen:
Der Raum unter den Holzträgern: Der lichtdurchflutetste Teil. Kleine Pfade und Lichtungen durchwandern den Grünraum und bilden Orte zum Verweilen und Ausruhen.
Der Mitte zwischen Holz- und Betonstützen: Die Übergangszone. Ein gerader Steg läuft in zwei Ebenen durch die komplette Struktur. Zusätzlich wird die oberste Ebene der Tribüne aktiviert und dem Innenraum des Botanikums angeschlossen. Durch die Platzierung von Treppenstrukturen, lässt sich die Struktur über die Ebenen hinweg erschließen und erfahren.
Der Raum unter der Tribüne: Der komprimierteste Teil. Dieser wird durch vor allem durch Plattformen mit differenzierten Nutzungen und technische Erweiterungen geprägt. Er bietet Raum für die Kultivierung, Forschung und Analyse.
Der Eingriff in die Tragstruktur beschränkt sich auf die Erweiterung des Raumes, und das Einbringen von mehr Licht.
Der rückwärtige Raum, aktuell noch als Parkplatz genutzt, soll kontinuierlich der Natur zurückgegeben werden und ein neues Habitat zum Ausgleich entstehen. Er wird als erweiterter Teil des Botanikums in das Wegenetz eingebettet. Die geschaffenen Lichtungen bieten Raum zum Rückzug, der Entspannung und laden ein sich mit der Natur in Einklang zu bringen.