Dérive_ Stadtspaziergang als Methode zur Stadtforschung

Semester
Wintersemester 24/25
Studiengang
Bachelor
Modul
Projekt
Modulbestandteil
B4X30 Wahlpflichtseminar

Der Begriff dérive stammt von der Situationistischen Internationale (SI), einer Avantgarde-Bewegung der 1950er und 1960er Jahre, insbesondere geprägt durch den französischen Philosophen und Schriftsteller Guy Debord. Dérive lässt sich als »Umherschweifen« oder »Drift« übersetzen und beschreibt eine experimentelle Form der Fortbewegung im urbanen Raum, die auf absichtslose Erkundung zielt. Dabei verlassen sich die Teilnehmer*innen auf spontane Eindrücke und Reize der Umgebung, um die psychogeographischen Effekte der Stadtlandschaft zu erforschen. Architektur, Straßen, Gerüche, Geräusche und Menschen der Stadt leiten die Teilnehmerinnen, ohne dass ein bestimmtes Ziel vorgegeben ist.

 

Das Ziel des dérive ist es, die Stadt auf neue und ungewohnte Weise zu erleben und zu verstehen. Indem man vertraute Wege und Routinen verlässt, öffnet man sich den emotionalen und psychologischen Wirkungen des städtischen Raums. Ziel ist es, die verborgenen oder unbewussten Einflüsse der Stadtlandschaft auf die menschliche Psyche zu entdecken. Das dérive hat in der Stadtforschung und Kunst eine bedeutende Rolle gespielt, indem es alternative Perspektiven auf den urbanen Raum ermöglicht und die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Stadt oft kritisch beleuchtet. In unserem Seminar werden wir diese Technik teilweise bei vier Spaziergänge anwenden, beginnend mit zwei begleiteten Einführungen bis hin zur eigenständigen Umsetzung. Dabei ist die Technik des Dérive nicht das Ziel, sondern wir erhalten einen Einblick in die Urbanistik und Stadtforschung.